Seit 1850 besteht in Ahe ein Schützenverein, der sein Brauchtum feiert – auch wenn die Polizei gerufen wird

29. Juni 2022

Der Schützenbruderschaft ‚St. Sebastianus‘ besteht in Ahe seit 1850. In wenigen Jahren wird sie – so hoffe ich – ihr 175jähriges Bestehen feiern. Es gab nur wenige Jahre in der Vereinsgeschichte, wo kein Schützenfest gefeiert wurde – dazu zählen zum Beispiel die Jahre der beiden Weltkriege, aber auch die Zeit der Corona-Pandemie.

Mit dem Schützenfest ist auch ein Brauchtum verbunden, das jährlich neu auflebt und somit auch für manche Menschen ein Ort der Kontinuität und Verlässlichkeit ist – gerade in Zeiten eines beschleunigten Wandels. In diesem Jahr fand das Schützenfest in Ahe am 18. / 19. / 20. Juni 2022 statt.

Zu diesem Brauchtum zählt seit vielen Jahren der Umzug eines Tambourchors am Sonntagmorgen ab 6.30 Uhr / 7.00 Uhr, um gewisse Persönlichkeiten zu wecken. Dazu zählen zum Beispiel der jeweilige Schützenkönig oder die jeweilige Schützenkönigin, aber auch der/die Ortsbürgermeister*in. In diesem Jahr fand es wieder einmal statt. Für manche, die in den letzten Jahren neu nach Ahe gezogen sind, war das vielleicht unbekannt. Auf jeden Fall wurde die Polizei gerufen.

Die kam dann auch und hielt den kleinen Musikzug mit einer Abordnung von uniformierten Schützenbrüdern an. Der Sachverhalt wurde auf Seiten der Polizei nüchtern geklärt. Die Polizei stellte fest, dass es sich hier um ein Brauchtum handele, dass alle Jahre wieder einmal im Jahr stattfinde und als solches zu tolerieren sei – und entschwand. Ich bin froh, dass dieses Verständnis bei der Polizei Bergheim gegeben ist, denn ich begrüße dieses Engagement, unabhängig davon, dass auch ich von diesem frühen Weckdienst „profitiere“.

Wer auch immer die Polizei gerufen hat und sich gestört fühlte: Bitte bedenken Sie, dass Sie in ein Dorf gezogen sind, in dem Sie, wenn Sie wollen, mittendrin sein können, in dem Sie aber auch in der Anonymität verschwinden können. Dann aber bitte ich, gewisse Traditionen zu akzeptieren – an einem von 365 Tagen im Jahr. Danke.

Ortsbürgermeister Dr. Winfried Kösters

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