Ein Rückblick auf Silvester 2025
Als ich an Silvester 2025 keine Sirenen in Ahe hörte, keine Feuerwehr ausrücken musste, keine Hundertschaft der Bergheimer Polizei durch den Wohnpark kämmte, da war ich erleichtert. Auch wenn seit Mitte Dezember 2025 allabendlich Knallerei die Nachtruhe von Menschen und Tieren empfindlich störte, auch wenn Kinder(!) stolz mit Feuerwerkskörpern durch Ahe liefen, war ich nach den Silvesterereignissen von 2023 und 2024 dieses Jahr sehr dankbar. Allerdings ist in den Wochen und Monaten vor Silvester auch ein hoher Aufwand betrieben worden, damit sich die Ereignisse von 2023 und 2024 auch nicht wiederholen. Ich persönlich finde, dass dieser Aufwand in keinem Verhältnis zu dem faszinierenden Vergnügen von 15 Minuten an der Jahreswende selbst steht. Daher habe ich als Ortsbürgermeister von Ahe den nachstehenden Brief an den Bundesinnenminister geschrieben. Mein Ziel: Ein Verbot von Verkauf und Abschuss von Feuerwerkskörpern. Auch wenn damit eine schöne Tradition abgeschafft werden würde, so halten sich einfach zu viele Menschen nicht an die allgemeinen Regeln.
Nachstehend können Sie den Brief an Herrn Minister Dobrindt nachlesen:
Sehr geehrter Herr Minister,
bevor ich mein Anliegen schildere, möchte ich Ihnen für das gerade begonnene Jahr alles erdenklich Gute wünschen.
Wie Sie dem Briefkopf entnehmen können, bin ich in dem 4.000-Seelen-Ort Ahe der Kreisstadt Bergheim im Rhein-Erft-Kreis Ortsbürgermeister. Das ist ein Ehrenamt, das ich nun seit über fünf Jahren innehabe. Ich bin parteilos.
Seit Mitte Dezember musste ich mich wieder mit dem (illegalen) Abschuss von Feuerwerkskörpern in meinem Ort beschäftigen. Obwohl diese Produkte erst Ende Dezember 2025 offiziell im Verkauf waren, konnten illegal bereits Knallkörper aller Art erworben werden. Das machte sich in abendlichen Lärmorgien bemerkbar, die nicht nur vielen Menschen, sondern vor allem auch Haustieren die Ruhe raubte, teilweise sogar ängstigte.
Hinzu kommt eine besondere Genese in meinem Ort, denn an Silvester 2023 geriet durch einen Feuerwerkskörper eine Wohnung in Brand. Zudem wurden die Rettungskräfte selbst beschossen und an ihrer Arbeit gehindert, so dass Polizeischutz angefordert werden musste. An Silvester 2024 wurde ein Abfallcontainer in Brand gesetzt und so positioniert, dass die Zufahrt in ein bestimmtes Wohngebiet (und natürlich auch die Ausfahrt) blockiert war. Auch hier sind die Rettungskräfte der Feuerwehr beschossen worden, als sie ihren ehrenamtlichen Dienst taten.
Im Mai 2025 führten wir dann in meinem Ort eine „Sicherheitskonferenz“ durch, wo gemeinsam mit den verschiedenen hauptamtlichen Beteiligten und interessierten sowie betroffenen Bürger*innen besprochen wurde, was getan werden könne und müsse, damit sich das nicht wiederholt. Aufgrund der Kommunalwahl vom 14. September 2025, die mich in meinem Amt bestätigte, konnte am 2. Dezember 2025 eine erneute Sitzung der beteiligten Ämter und Behörden durchgeführt werden, um konkrete Maßnahmen zu besprechen, die das Ziel verfolgten, alles zu tun, damit sich die Ereignisse von 2023 und 2024 nicht wiederholten.
So hat die Stadtverwaltung eine Tagesaktion koordiniert, wo Vertreter*innen verschiedener Ämter und Behörden von Haustür zu Haustür bzw. Wohnungstür zu Wohnungstür gegangen sind, sich vorstellten, nach aktuellen Problemen fragten, Hinweise entgegennahmen, also sehr proaktiv Präsenz zeigten. Das blieb nicht ohne Wirkung und Eindruck. Ferner haben wir gemeinsam einen Flyer verteilt, der ganz konkrete Hinweise beinhaltete, was Bürger*innen tun könnten bzw. auf die möglichen Straftatbestände hinwies bzw. an wen sie sich wenden können.
Sie können sich vorstellen, dass daraufhin die Ordnungskräfte der Stadt, aber auch die Polizei hier deutlich mehr Präsenz zeigten. Aber auch ich habe vor Ort Gespräche mit den Kioskbetreibern, den Jugendlichen auf der Straße und im Jugendzentrum und vielen weiteren Bürger*innen geführt. Die Sorgen und Ängste von Menschen, die die nächtlichen Kracher als „Krieg“ erlebten, die sich bedroht fühlten und die sich mit ihren Haustieren gar nicht mehr auf die Straße trauten, seien hier ebenfalls erwähnt.
Nun ist Silvester 2025 vorbei und ich habe aufgeatmet, denn mein Ort zählte null Rettungseinsätze.
Jetzt können Sie den hiesigen Verantwortlichen und mir gern auf die Schultern klopfen, doch darum geht es nicht. Mir geht es darum, den immensen finanziellen, personellen und sachlichen sowie zeitlichen Aufwand – hauptamtlich wie ehrenamtlich – aufzuzeigen, der betrieben wird, damit an Silvester 15 Minuten lang legal Feuerwerkskörper abgeschossen werden können. Und – wie gesagt – es beschränkt sich längst nicht mehr auf die Zeit um Silvester.
Warum soll ich mich ehrenamtlich damit beschäftigen? Vielleicht können Sie ermessen, dass mein Engagement erst dazu führte, dass die oben beschriebenen Aktivitäten (und weitere hier nicht geschilderte) stattfanden. Ich möchte das nicht mehr! Ich erlebe das als ehrenamtlicher Kommunalpolitiker als Zumutung!
Daher möchte ich Sie bitten, dem Beispiel der Niederlande zu folgen: Ich fordere ein absolutes Verbot des Verkaufs und Abschusses von Feuerwerkskörpern. Gern kann überlegt werden, ob Gemeinden ein zentrales Feuerwerk durchführen können, oder ob es Abschusszonen gibt, wo Private dies tun können.
Ich unterstütze somit u. a. die Initiativen der Gewerkschaft der Polizei und der Bundesärztekammer. Bitte handeln Sie. Ein ‚Weiter-So‘ will ich nicht mehr akzeptieren.